Projekt Dünengarten

2000qm wildes Chaos

Als wir das Ferienhaus auf Amrum mit seinen 2000qm Grundstück übernommen haben, standen wir vor einer echten Herausforderung: Ein weitläufiges Dünengrundstück – eigentlich ein Traum – aber völlig ungestaltet. Wo das Auge hinsah, wucherte die Natur und etliche Pflanzen wetteiferten darum, wer am schnellsten alles zuwuchert. Ein typischer Nordsee-Wildwuchs, charmant, aber irgendwie doch … unkontrolliert.

Grüne Invasion

Ein großes Problem war der überbordende Bewuchs invasiver Arten – allen voran die  Kartoffelrose, auch „Sylter Rose“ genannt. In großen Abschnitten der Nordseeküste ist sie landschaftsprägend. Daneben wuchern Essigbäume, Traubenkirschen und der Japanische Staudenknöterich. Allen Arten ist gemein, dass sie keine oder nur ganz wenige heimische Feinde haben. Oft sind sie auch sehr schnell wachsend und haben so einen Wachstumsvorteil gegenüber heimischen Pflanzenarten. Wenn man nicht aufpasst, übernehmen sie einfach das Kommando. Also musste ein Plan her: Nachhaltig entfernen, Platz schaffen und dann gezielt inseltypische Pflanzen ansiedeln.

Natur statt Ziergarten

Wir wollten keinen akkurat angelegten Ziergarten – das hätte nicht zur Insel und auch nicht zu uns gepasst. Stattdessen sollte der Außenbereich ein überwiegend naturbelassenes Refugium werden, in dem sich unsere Gäste wohlfühlen, entspannen und gleichzeitig die ursprüngliche Dünenlandschaft erleben können. Ein Dünengarten, der sich in die Landschaft einfügt – nicht gegen sie arbeitet. Doch wie schafft man das?

Was ist ein Dünengarten?

Ein Dünengarten ist definitiv keine klassische Gartenanlage mit adretten Beeten und Zierrasen – er ist ein naturnaher, wilder Außenbereich, der sich im Idealfall harmonisch in die Dünenlandschaft einfügt.

Typische Merkmale eines Dünengartens:

  • Sandige, leicht hügelige Böden – oft mit natürlichem Dünengras bewachsen, das die Struktur der Düne stabilisiert.
  • Robuste, salztolerante Pflanzen, die Wind, Sonne und salzhaltige Luft problemlos überstehen.

  • Küstenbäume, die sich an das raue Nordseeklima angepasst haben.
  • Wilde, natürliche Optik, keine akkurat angelegten Wege oder Blumenbeete.
  • Strandkörbe, oft halb versteckt zwischen den Pflanzen, um Windschutz zu bieten.
  • Wenig künstliche Eingriffe, damit die Landschaft ihren ursprünglichen Charme behält.

Ein Dünengarten lebt von seiner ursprünglichen Schönheit – kein gepflegter Park, sondern eine kleine, wilde Küstenoase!

Inseltypische Pflanzen

  • Strandhafer – das wichtigste Gras an den Sandküsten und unverzichtbar für die Stabilisierung der Düne
  • Sandsegge – Überlebenskünstler, der mit den Wurzelausläufern pro Jahr bis 4 m weit wandern kann und dabei Flugsandflächen erobert
  • Sanddorn – ein robuster, dorniger Strauch, auch bekannt als „Zitrone des Nordens“
  • Kiefern und Zedern – charakteristische Nadelgehölze
  • Felsenbirne – wunderschöne Blüten im Frühjahr, essbare Beeren im Sommer
  • Heidekraut – Besenheide und Erika
  • Strandflieder – lila Blütenteppich im Sommer

2023: Haukes Bagger, Muskelkraft und etwas Geduld

Im Februar 2023 war es soweit: mit Hilfe von der Nachbarinsel Föhr haben wir das Projekt begonnen. Hauke kam mit seinem Bagger und rückte der überhandnehmenden Heckenrose und diversen anderen Überlebenskünstlern zu Leibe. Wo vorher ein undurchdringliches Dickicht war, entstanden so plötzlich Freiräume. Nils von der Gärtnerei Riewerts stutzte die Gehölze fachmännisch zurecht und pflanzte neue inseltypische Bäume.
Das Ergebnis? Nun ja… Erstmal sah alles schlimmer aus als vorher! Statt einer zugewachsenen Wildnis hatten wir eine kahle Fläche mit jeder Menge Sand – aber auch mit jeder Menge Potenzial. Das Dünengras, das für die Stabilität der Düne essenziell ist, musste erst wieder nachwachsen. Und wir mussten geduldig sein.

2024: Strandkörbe für die Gäste

Drei unserer Apartments haben eigene Terrassen. Doch sollte auch für die Gäste der anderen Ferienwohnungen ein eigener Platz im Freien geschaffen werden. Und was läge da näher, als auf DAS Kultmöbel der deutschen Nord- und Ostseestrände zurückzugreifen: den Strandkorb! Ob mit einem heißen Tee in eine Decke gekuschelt oder entspannt in der Sonne dösend – im Strandkorb fühlt sich jeder Moment ein bisschen nach Urlaub an.

Insgesamt 8 Strandkörbe wurden schließlich auf dem Grundstück verteilt. Apartment 2 bekam einen auf die Terrasse und Apartment 8 in den Garten. 5 weitere wurden auf dem Grundstück verteilt und den Apartments 3, 4, 5, 6 und 7 zugewiesen. Der achte Strandkorb ist die sogenannte „Wildcard“ – Einer für alle. Dank an dieser Stelle an Kalle Wruck und Nils Randow von Strandkörbe Nebel!

2025: Entsiegeln statt zupflastern

Ein weiterer großer Schritt hin zum Dünengarten war im Februar 2025: die alten Waschbetonsteine im Hof wurden entfernt und damit rund 100 Quadratmeter Fläche entsiegelt! Stattdessen haben wir eine deutlich kleinere Terrasse und einen neuen Weg zum Waschraum aus Beton gegossen. Das setzt einen neutralen Akzent zu den Bohlenwegen. Auf der frei gewordenen Fläche wird weiter gepflanzt – mit dem Ziel, noch mehr natürlichen Lebensraum für Pflanzen, Tiere und unsere Gäste zu schaffen.

2026 ... 2027 ... ein Garten, der nie fertig wird

Auch wenn schon viel passiert ist, ist unser Dünengarten ein Projekt in Bewegung. Pflanzen wachsen, die Natur formt sich immer wieder neu, und wir lernen mit jeder Jahreszeit dazu. Es wird noch dauern, bis alles genau so aussieht, wie wir es uns vorstellen. Wirklich fertig ist man wohl nie – aber das gehört dazu.

Und während die Pflanzen wachsen, können unsere Gäste es sich in Strandkörben mitten im Dünengarten gemütlich machen. Denn genau darum geht es: Die Natur nicht zähmen, sondern mit ihr leben.